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Am Schluß eine Kurzgeschichte: Ein fast perfekter Mord (Bayerisch und Hochdeutsch)


Leseprobe zu meinem Buch: Die Biathlon-Hexe

 
Julie hatte, nachdem ihr der Notarzt den Rolf trotz ihres Protestes gestern gerufen hatte, ein paar Pillen geschluckt und deshalb fast die ganze Nacht durchgeschlafen. Sie war immer noch in der Wohnung ihres Trainers.
So erwartete sie die Kommissare. Ausgeschlafen und ein herrliches Frühstück mit Rolf hatten ihr sehr geholfen wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sie  hatten sich telefonisch angemeldet um sicher zu gehen, dass sie nicht wieder zu einer ungelegenen Zeit kommen würden.
„Es tut uns Leid, dass wir sie belästigen müssen, aber wir haben nur ein paar Fragen und dann sind wir auch schon wieder weg.“
„Kein Problem, fragen sie nur“, mit diesem Satz holte Julie mit einer Handbewegung aus um den Kommissaren zu verstehen zu geben, dass sie eintreten sollten.
„Um es gleich vorweg zu sagen“, meinte Julie, „ich war es nicht.“
Stadinger lächelte, dachte er doch an seine Irmi.
„Im Namen meiner Frau möchte ich mich wegen des Fauxpas entschuldigen. Sie hatte es nicht so gemeint und es tut ihr unendlich leid.“
„Ist schon in Ordnung. Vielleicht habe ich auch ein wenig überreagiert.“
Julie, die noch im Morgenmantel war, zog ihre Beine hoch und kauerte sich in die Ecke des Sofas. Sie wirkte so hilflos, so verletzlich. Wie ein kleines Mädchen, dem man das Spielzeug weggenommen hatte. Stadinger war merkwürdig berührt, wie er es noch in keinem anderen Fall erlebt hatte. Ob er wegen Irmi nicht den nötigen Abstand zu diesem Fall hatte?
„Hm, hm!“, räusperte er sich. Er musste ganz schnell sachlich werden.
„Entschuldigung, aber diese Frage muss ich ihnen stellen. Wo waren sie vorgestern, so in der Früh?“
Julie zeigte ein zaghaftes Lächeln. „Ich war beim Laufen, wie jeden Tag, vor allem vor den Wettkämpfen.“
„Und wo?“
„Ich laufe gerne rund um den kleinen Arbersee. Das ist meine bevorzugte Strecke.“
„Warum sind sie nicht beide zusammengelaufen?“ In dem Moment, wo Stadinger das sagte, hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen, wusste er doch von der Rivalität dieser beiden Mädchen. Das war ungeschickt. Und prompt merkte man an der Miene von Julie, dass sie diese Frage überhaupt nicht schätzte.
„Entschuldigung, das war nicht besonders einfühlsam von mir.“ Stadinger musste sich nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten bei Julie Conradi entschuldigen. Julie beantwortete diese Frage nicht und Stadinger war darüber froh.
„Kann irgendjemand bezeugen, dass sie dort um diese Zeit gelaufen sind?“
Julie schüttelte den Kopf,
„Wir haben gehört, dass Rolf Heider sich gestern um sie gekümmert hatte. Warum nicht ihr Freund? Das wäre doch das Naheliegendere gewesen.“
„Erwin hatte geschlafen und keine Zeit für mich gehabt.“
Klang da nicht ein bisschen Trotz durch? Oder gekränkte Eitelkeit? Stadinger hakte nach.
„Wieso hatte er am helllichten Tag geschlafen? Was hatte er denn in der Nacht gemacht, dass er keine Zeit für sie hatte?“
Julie war wieder den Tränen nahe. Sie war aus der Bahn geworfen. Wegen Susanne sicher nicht, da sich die beiden Mädchen nicht leiden konnten. Aber warum dann? Wegen des Freundes, der in ihrer höchsten Not keine Zeit für sie hatte? War sie so enttäuscht?
„Ich weiß es nicht!“ schrie sie plötzlich den Polizisten an. „Ich habe keine Ahnung, was er gemacht hat. Vielleicht war er in einer Disco. Wir waren am Vortag bei seinen Eltern und anschließend wollte er in seine Wohnung fahren und ich bin zu mir nach Hause.“ Trotzig schleuderte sie den verdutzten Polizisten ihre Worte lauter als sie eigentlich wollte, entgegen.
„Kam es öfter vor, dass sie getrennt die Nacht verbrachten?“
Stadinger vermied es, das Wort schlafen zu gebrauchen. Er wollte Julie nicht noch mehr unter Druck setzen.
Julie hatte sich wieder gefangen.
„Ja, manchmal schon. Vor allem vor den Wettkämpfen wollte ich keinen Sex haben.“ Julies klare Ausdrucksweise unterdrückte die nächste Frage von Stady.
Wie Julie das sagte, klang es kühl und teilnahmslos. Keine Frage, das Mädchen war dieser ganzen Sache nicht gewachsen. Wie konnte sie auch! Schließlich erlebt man so ein einschneidendes Erlebnis nicht alle Tage.
„Wir lassen sie jetzt in Ruhe. Sie sind noch müde und deshalb können wir ihren Aussagen auch keine besondere Beachtung beimessen. Ich wäre ihnen dankbar, wenn sie demnächst im Polizeipräsidium vorbeischauen würden.“
„Haben….“Pause!
Stadinger wurde hellwach. „Jetzt habe ich sie, was sie bedrückt“, dachte er, sagte aber nichts sondern wartete nur geduldig ab.
Julie machte einen neuerlichen Anlauf. Diese Frage beschäftigte sie die ganze Zeit. „Haben sie auch gedacht, dass ich es gewesen sein könnte? Wenn das die Öffentlichkeit auch denkt, dann bin ich geliefert, dann kann ich gleich den Sport an den Nagel hängen!“
Das also bedrückte sie. Ist auch verständlich. Jahrelang wurde alles, aber auch wirklich alles diesem Sport untergeordnet. Familie, Freunde, Hobbys und von einem Tag auf den anderen konnte es vorbei sein. Einfach so, ohne jegliches Zutun von ihrer Seite aus. Dass das Julie aus der Bahn warf, war nachvollziehbar.
„Nein, Julie. Ich bin Kommissar und für mich zählen nur Fakten und Beweise. Und wegen der Öffentlichkeit machen sie sich mal keine so großen Sorgen. Wenn wir den Täter haben, dann sind auch ihre Befürchtungen vorbei.“
Julie war dankbar für diese Ausführung. Sie nickte und die beiden Kommissare verabschiedeten sich.
Außer Hörweite meinte Max: „Das mit ihrem Freund scheint ihr enorm zu schaffen gemacht zu haben. Bin mal gespannt, was der uns jetzt zu erzählen hat.“
„Ja, und dazu kommt, dass sie eine große Angst hat vor der eventuellen Vorverurteilung der Öffentlichkeit. Das ist so das Schlimmste, was einem als Sportler passieren kann. Ich glaube, dass wir da Julie ein wenig unter die Arme greifen können indem wir zum Beispiel dem Reporter vom ArKu sagen, dass es ein Mann gewesen sein muss wegen der Fußabdrücke. Dann ist Julie außen vor.“
„Gute Idee. Könnte auch von mir stammen.“ Damit handelte sich Max von seinem Chef einen freundschaftlichen Rippenstoß ein.
„Fahren wir gleich hin oder wollen wir noch Büroarbeit vorher machen?“
„Blöde Frage. Erst der Außendienst und dann den Bericht in einem Rutsch durcharbeiten. Das ist effektiver.“
So klingelten sie eine halbe Stunde später in Bayerisch Eisenstein in einer Wohnung im zweiten Stock.
Sie mussten mehrmals klingeln, bis Erwin Eckerl aufmachte. Dieser stellte sich breitbeinig in die Tür und dachte nicht daran, die Kommissare reinzubitten.
Aber Stadinger und Max kannten solche Situationen, schoben den Mann einfach zur Seite und auf dessen Protest  antwortete Max nur, ob er, Erwin Eckerl möchte, dass die ganze Nachbarschaft das kommende Gespräch mithören sollte. Auf diese Drohung reagierte der Freund von Julie sofort freundlicher und bot sogar den Kommissaren Plätze an und einen Drink, was diese mit Hinblick auf ihren Dienst ablehnten.
„Sie waren vorgestern mit ihrer Freundin bei ihren Eltern?“ eröffnete Stady das Gespräch.
„Ja, und?“ war die wenig freundliche Antwort.
„Als gestern ihre Freundin Julie Conradi sie anklingelten, da haben sie sie abgewimmelt mit den Worten, dass sie müde seien und schlafen wollten. Was hatten sie in der Nacht gemacht, dass sie so müde waren?“
„Gearbeitet.“
„Was?“
„Die Pläne für die kommenden Wochen.“
„Und das hat die ganze Nacht gedauert? Das glaube ich ihnen nicht.“
„Ist aber so. Ach ja, vorher habe ich noch stundenlang mit meinem Kumpel telefoniert, deshalb fing ich auch erst sehr spät an zu arbeiten.“
„Mit wem?“
„Markus Hausmann.“
„Adresse!“
Erwin reichte dem Beamten sein Telefonbuch. Sollte dieser doch selbst die Adresse herausschreiben. Er ist schließlich kein Sekretär.
Stadinger war der Mann unangenehm. Wenn man seine Freundin in ihrer größten Not alleine lässt, konnte man bei Stadinger nicht punkten. Daher waren seine Fragen auch knapp gehalten.
„Wie lange hatten sie telefoniert?“
„Das müssen mindestens drei Stunden gewesen sein. Die Nachtnachrichten kamen schon als ich aufhörte. Also so von ungefähr acht bis elf Uhr.“
Die Beamten hatten keine weiteren Fragen. Aber dieses Telefonat mussten sie nachprüfen.

                             ***

Joseph Stadinger und Max Huber kehrten wieder in ihr Büro zurück. Sie wollten erst einmal eine kleine Pause machen um dann gestärkt den Freund von Erwin aufzusuchen. Dieser sollte das Alibi bestätigen und dann wollten sie gemeinsam zu Sabine Hauser fahren.
Gesagt, getan. Fritz war auch da und bastelte schon an seinem Bericht als die Tür aufging und herein trat der Präsident dieser SoKo, Vinzenz Heimhuber.
„Mahlzeit“, begrüßte er die Beamten. „Ich habe ihnen eine Verstärkung mitgebracht.“ Mit diesen Worten trat er zur Seite und winkte einem jungen Mädchen, sie soll näher treten. Diese kam vorsichtig und nicht gerade selbstbewusst herein. Stadinger war irritiert. Das war nicht abgesprochen. So einfach über seinen Kopf hinweg jemanden an seine Seite zu stellen, noch dazu so ein junges Ding. Stady war sauer.
Er stand auf. „Können wir mal unter vier Augen sprechen?“ Das war ziemlich schroff gesprochen. Draußen auf dem Gang ließ er seinen Frust raus.
„Was soll das, Herr Heimhuber? Sie glauben doch nicht, dass diese kleine Göre eine Verstärkung sein soll? Wenn ich Verstärkung brauche werde ich es sagen. So aber geht das nicht. Sie ist doch mehr ein Klotz am Bein.“
Während der ganzen Worte bemühte sich der Leiter auch zu Wort zu kommen, aber Stady war so ungehalten, dass er das einfach ignorierte. Als er endlich fertig war, hörte er die Argumente seines Vorgesetzten.
„Ich weiß, dass das nicht die ideale Besetzung ist, aber sie ist eine Praktikantin und kommt gerade von der Polizeischule. Sie wird sich im Hintergrund halten und sie so wenig wie möglich stören.“
„Ich habe mit dem Fall schon genug Sorgen, weil wir nicht richtig weiter kommen, aber okay, anscheinend kann ich mich dagegen nicht wehren.“ Er war resigniert.
„Danke. Das wäre also geklärt.“ Mit diesen Worten drehte sich Vinzenz Heimhuber um und ging in sein Büro. Stady kehrte in sein Kontor zurück.
Das Mädchen sprang auf und lief mit ausgestreckter Hand ihm entgegen.
„Ich heiße Nora Korralich“, sagte sie.
„Stadinger“ stellte sich Stady ein wenig mürrisch vor und ohne die ausgestreckte Hand zu nehmen. Er bemerkte, dass sowohl Max als auch Fritz interessiert zuschauten und sich dann wortlos wieder ihrer Arbeit zuwendeten.
Eine ganze Zeit lang herrschte Ruhe. Nur das Schaben der Kugelschreiber war zu hören. Nora Korralich wagte kaum zu atmen. Sie merkte, dass sie hier nicht gerade willkommen war, aber was sollte sie machen? Man hatte so entschieden und sie musste sich fügen.
Stady stand auf. Er wollte draußen weiter ermitteln. Der Bericht konnte warten und außerdem brauchte er dringendst frische Luft nach dem vielen Ärger, auch noch eine Göre unterhalten zu müssen. Das reinste Affentheater ist aus der „SoKo Susanne“ geworden.
„Wir fahren zu dem Freund von Erwin, Markus Hausmann.“ Er stand auf und kümmerte sich nicht um die sogenannte Verstärkung.
„Soll ich mitkommen?“, fragte Fritz.
Stady konnte sich ein „Ja, dann kannst du dich um die Kleine kümmern“, nicht verkneifen.
Draußen zupfte Max seinen Chef am Ärmel und zog ihn leicht zur Seite.
„Das war gerade nicht sehr schön, Chef. Sie kann doch genau so wenig was dazu wie du.“
„Ja, ja“, knurrte Stady und stellte sein Navi im Auto auf die neue Adresse ein, da er nicht wusste wo die Strasse, in der dieser Mann wohnte, war. 
Markus Hausmann wohnte in einem Gebäude mit vielen Stockwerken am Rande von Bayerisch Eisenstein. Sie wollten in den vierten Stock. Fünf Türen führten in Wohnungen, jedoch waren nur drei beschriftet. Diese hatten andere Namen. Also war einer von den übrigen zwei Türen die richtige. Die erste Tür wurde auf ihr Klingeln nicht aufgemacht. Also dann der nächste Eingang. Sie bemerkten, dass sie vom Spion aus beobachtet wurden. Dann ging die Tür auf.
Nur ein fragender Blick war der Willkommensgruß.
„Sind sie Markus Hausmann?“
Zuerst kam keine Reaktion, dann  trat der Mann wortlos zur Seite. Anscheinend war das eine Einladung zum Eintreten. Stady und Max betraten die Wohnung. Fritz und Nora blieben im Treppenhaus.
Im Wohnzimmer saß auf der Couch eine Möchtegern-Blondine im Bademantel. Sie musste anscheinend einen schlechten Friseur oder sich selbst die Haare gefärbt haben. Diese waren mehr gelb als blond. Dann trug sie mehrere Tatoos am Hals und auf den Handrücken. Stady bemerkte es und dachte einen kurzen Augenblick daran, wo sonst wohl noch “Hautgraffiti“ bei ihr waren. Sie hatte einen kleinen Ring an der Nasenscheidewand. Wie früher die Ochsen, dachte sich Stady und musste innerlich ein wenig grinsen. Die hatten auch solche Ringe in der Nase, damit man sie, sollten sie stur sein, daran packen konnten. Da das den Ochsen sehr wehtun musste, gingen sie freiwillig mit. Er grinste bei der Vorstellung, die Frau damit gefügig machen zu wollen. Der Nagellack stand auf dem Tisch, da sie dabei war ihre Fingernägel zu lackieren. Sie stand nicht auf, stellte sich nicht vor, nur ein kurzes Nicken war die einzige Reaktion auf Stadys und Max Gruß.
„Wir haben ihre Adresse von Erwin Eckerl. Er sagte uns, dass er vorgestern Abend mit ihnen telefonierte!?“ sagte Max zu Markus gewandt. 
„Stimmt, wir haben sehr lange miteinander telefoniert. Warum wollen sie das wissen?“
„Wir ermitteln in einem Mordfall immer in alle Richtungen. Sie haben sicher gehört, dass Susanne Echternach erschossen wurde und…“
„Ja und?“ Markus unterbrach die Ausführungen des Kommissars. „Was hat denn mein Telefonat mit Erwin mit dem Mord an Susanne zu tun?“
„Nicht direkt. Aber wir müssen uns ein genaues Bild von diesem Tag machen. Da gehört auch das Befragen sämtlicher Leute im Umkreis von Susanne Echternach dazu. Wie lange hatten sie denn telefoniert?“
„Aber ich gehöre nicht dazu“, war die trotzige Bemerkung von Markus. „Und ich habe mindestens zwei Stunden mit ihm geredet.“
„Wann genau?“
„So ungefähr zwischen acht und – keine Ahnung wie lange, wahrscheinlich bis zehn Uhr. Ich bin kein Mörder!“
„Sagt auch niemand, ich will lediglich die Alibis abgleichen.“ Stady wurde ungehalten.
„Waren Sie dabei, als ihr Freund telefonierte?“, fragte Max sich an das Mädchen wendend.
„Nein, ich kam erst später.“
„Das wäre es auch schon“, meinte Stady und drehte sich dem Ausgang zu.
Vor der Tür wandte er sich noch einmal an Markus Hausmann. „Worüber haben sie denn so lange gesprochen?“
„Über allerlei. Frauen, Kino, Sport.“
„Schönen Tag auch“, war der nicht erwiderte Abschiedsgruß.
Draußen meinte  Stady unwirsch: „Warum sind die Leute eigentlich immer so abweisend, wenn wir kommen? Die wollen doch auch, dass der Täter gefasst wird, aber etwas helfen kommt denen nicht in den Sinn.“
„Komisch, bei ihm dauerte das Telefonat nur zwei Stunden, bei Erwin Eckerl aber bis drei. Da stimmt doch was nicht!“, meinte Max. „Wir müssen uns an die Telefongesellschaft wenden und uns einen Auszug schicken lassen.“
Die beiden Kommissare gingen zu ihrem Auto ohne auf Fritz Weirich und dessen unfreiwillige Begleiterin zu achten.
„Hey, nehmt uns mit!“ Fritz war aufgebracht weil er nicht bei der Befragung dabei sein durfte und dann, weil er als Aufpasser des Mädchens abgestellt wurde. Dabei kam ihm das gar nicht so sehr ungelegen, konnte er sich doch ungestört mit ihr unterhalten. Er machte einfach das Beste aus seiner Situation.
„Sind sie auch aus dieser Gegend?“ fing er das Gespräch an.
„Ja und nein. Ich bin in Grafenau geboren, aber aufgewachsen in München.“
„Und wie kommen sie zur Polizei?“
Nora Korralich lächelte verlegen und schaute auf den Boden. „Mein Onkel ist bei der Polizei.“
„Und da hat er sie überredet, auch bei der Polizei anzufangen!?“
Nora nickte. „Ja, ich wollte aber schon immer bei der Polizei anfangen, eigentlich war mein Wunsch bei der Verkehrsüberwachung oder bei der berittenen Polizei.“
„?“
Nora bemerkte den fragenden Blick und ergänzte, dass sie lieber einen ruhigeren Job gehabt hätte, so ohne Verbrecherjagd und Schießen sei auch nicht ihr Ding.
Fritz grinste. Er fühlte sich auf einmal so richtig als Mann. „Aber Verbrecherjagd, so richtig mit Pistole und allem Drum und Dran, ist eher selten“, meinte er um sie zu beruhigen.
„Ist das ihr erster Mordfall?“, fragte sie.
„Ja!“
Dann stockte das Gespräch.
„Sind sie allein? Ich meine, ob sie in festen Händen sind?“ fragte vorsichtig Fritz. Diese Frage beschäftigte ihn schon seit das Mädchen von seinem obersten Boss vorgestellt wurde.
Nora schüttelte nur den Kopf. Fritz schaute sie lange an. Eigentlich ein hübsches Mädchen und das bei der Polizei? Wäre toll, wenn sie seine Freundin werden würde. Er würde sich dranhalten.
Die Tür von Markus Hausmann ging auf und ein übellauniger Chef mit Max kamen heraus. 

                              ***

Kaum waren die Beamten gegangen, sprang Nicole Grasser auf.
„Sag mal, warum belügst du die Kommissare?“
„Ich habe nicht gelogen.“ Markus dachte daran, dass er Erwin sein Ehrenwort gegeben hatte, dass niemand von ihrer Absprache erfahren dürfe.
„Das stimmt nicht. Du hast gelogen. Als ich kam, lag der Hörer neben der Basis und das Gespräch war nicht unterbrochen worden. Ich habe rein gehört, aber am anderen Ende meldete sich niemand auf mein Rufen und ich habe die Kirchturmuhr um neun Uhr in der Leitung gehört. Das war Erwins Anschluss! Die Leitung stand! Ihr habt gar nicht telefoniert!“
Nicole stand mit verschränkten Armen vor ihm in der Gewissheit, dass ihr Freund ihre Argumente nicht widerlegen konnte.
„Pass lieber auf deinen Nagellack auf.“ Mit diesen Worten ging Markus in die Küche. Nicht, weil er unbedingt was holen wollte, sondern weil er seiner Freundin aus dem Weg gehen wollte. Wusste er doch, dass Nicole und Heide sich kannten. Er durfte auf keinen Fall sein Geheimnis preisgeben. Wenn sich die beiden Frauen zusammen taten, dann wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis Julie davon erfahren würde und dann wäre das große Chaos da. Nein, er durfte es auf keinen Fall Nicole sagen. Eher würde er sich von ihr trennen. Andere Mütter hatten auch schöne Töchter. Nach dieser Devise hatte er immer gehandelt und das würde er auch jetzt tun, sollte Nicole ihn ärgern.
„Willst du auch ein Bier?“, rief er in Richtung Wohnzimmer.
Doch Nicole war ihm hinterher gegangen und stand hinter ihm.
„Du gehst mir aus dem Weg!“
„Quatsch, ich habe nur Durst.“
„Dann sag mir endlich, was dieses mysteriöse Telefonat soll.“
„Halt die Klappe!“
Nicole wurde plötzlich still. Sie dachte nach.
Markus ließ sich wieder mit einem Plumps auf der Couch nieder und genehmigte sich einen Schluck aus der Flasche.
„Sag mal“, fing sie wieder vorsichtig an. „hast du was mit dem Mord zu tun?“
„So ein Schwachsinn. Ich war zu Hause“, Markus grinste. „Wie du unschwer selbst bestätigen kannst, weil du ja da warst.“
„Ich war aber nicht am nächsten Tag da als der Mord passierte!“
„Ich gehöre zur arbeitenden Bevölkerung!“
„Und was ist mit dem Telefonat? Das hat es doch gar nicht gegeben!“
„Doch, hat es!“
„Ich glaube dir nicht! Du hast dem Kommissar gesagt, dass ihr zwischen acht und zehn Uhr geredet habt. Aber ich kam um neuen Uhr und da gab es kein Telefonat.“
„Außerdem habe ich kein Gewehr und auch kein Motiv. Und jetzt lass mich mit deinem Unsinn zufrieden.“
„Ein Gewehr hättest du dir auch ausleihen können. Und schießen hast du im Schützenverein auch gelernt.“
„Und das Motiv?“, grinste Markus.
Nicole schaute forschend in das Gesicht von Markus, als ob sie darin lesen wollte.
„Aber du könntest damit Erwin ein Alibi geben haben!“
„Du redest Schwachsinn. Ich habe halt vergessen, den Hörer wieder in die Basis zu stellen, ist das so schlimm? Ist dir das noch nie passiert?“
Oh, verdammt, sie kommt der Wahrheit gefährlich nahe, das musste aufhören. Wenn sie nun eins und eins zusammenzählt?
Laut sagte er: „Glaub mir, ich habe nichts mit dem Mord zu tun.“
Markus musste unbedingt das Gespräch beenden und womit? Da kam bei Nicole nur eine Strategie infrage: Sex.




    Mein Buch:  

Eine Kurzgeschichte: Ein fast perfekter Mord (Bayerisch und Hochdeutsch)



Für Leute, die das Bayerische nicht verstehen:

Ein fast perfekter Mord

Lukas spielt gerne und viel. Auch heute hat er sein neuestes Spiel, einen Detektivkasten mit auf den Sportplatz genommen, weil er wusste, dass Franz auch da war. Franz war sein bester Freund. Heute wartete er schon.
“Schau, was ich von meinem Onkel g´schenkt bekommen habe,” fing er an und öffnete den Kasten.
“Ui, ein Detektiv-Kasten. Da kann man tatsächlich Fingerabdrücke nehmen und da ist auch noch eine Lupe”, Franz war begeistert und schaute seinen Freund gleich mit der Lupe an.
“Schau, da ist ein Ortungsgerät, da kann ich reinschauen, wo die Eltern sind oder, noch besser”, begeisterte er sich, “ wenn du heim gehst, dann kann ich schaun, ob du
tatsächlich heim gegangen bist.”
“Wahnsinn, des ist voll cool. Komm, das probieren wir gleich aus”
“Warum, magst jetzt schon heim gehen?”
“Doofkopp, wir nehmen irgend eine Person und sagen ihr dann, dass sie sich verstecken soll.”
“Quatsch, des is doch blöd, die Person soll doch nie nichts davon mitbekommaen. Das macht doch viel mehr Spaß.”
“Ich weiß noch was Besseres. Wir machen es an einem Auto dran und dann können wir schaun, wo die hinfahren.”
Die beiden Freunde waren eifrig bei der Sache. Gleich gingen sie auf den Parkplatz, der an dem Sportplatz angrenzte.
“Schau mal, der ist doch prima.”
“Der geht gar nicht, das ist doch der vom dritten Stock, der fährt viel zu selten Auto, da müssen wir zulange warten.”
“Aber des do, des ist doch die ... Ah na,” meinte Lukas gleich darauf enttäuscht, "die tut doch ihren doofen Buben immer in der Früh fort und dann sind wir in der Schule.”
Sie gingen weiter.
“Der da, der ist genau richtig, das sind doch die Hubers, die fahren viel fort, so zum Wandern und zum Einkaufen und so. Den Wagen nehmen wir.”
Beide Buben waren begeistert und brachten ihr neues Spielzeug mit einem Magnet unter dem Auto an.
Annamierl und Sepp Huber, ein Rentnerehepaar gehen oft und gerne wandern.
“Was meinst, Annamierl, sollen wir einmal rauf gehen auf den Baumwipfelpfad uns das anschauen? Der Peter hat schon nachgefragt und ich habe zugeben müssen, dass ich noch nie nicht dort oben war. Er wor total ganz begeistert.”
“Ich mag aber nicht dort hin gehen, wo so viel Saupreißen sind.”
“Wo magst denn sonst hin gehen”?
“Ich mag einmal rauf gehen auf eine Burg?"
Annamierl schaute ihren Sepp erwartungsvoll an. Der aber war gar nicht begeistert von dem Vorschlag seiner Frau.
"Na, da gehts nicht, da sind noch viel mehr Touristen, ich mag dort hingehen, wo wir das letzte Mal waren, weisst, dort rauf zur großen Kanzel, da wo du dein Taschentuch
verloren hast."
"Ja, da gehen wir hin," ließ sich Annamierl vernehmen, "am End finden wir das Taschentuch wieder."
Annamierl war zeitlebens sehr sparsam, eben eine echte Bierdosnsammlerin. Also eine, die Bierdosen sammelt, weil sie alles Geld am liebsten in ihre vorher ausgetrunkenen Bierdosen sammelt. Aber auch sonst und speziell bei ihrem Sepp ließ sie ihre Sparsamkeit an ihm aus. Wenn die Hose vom Sepp zerrissen war, wurde geflickt, war der Flick zerrissen, wurde draufgeflickt. Der Hut hatte auch schon bessere Tage gesehen und das Hemd wurde abends gewaschen, über die Heizung gehängt und tags darauf wieder angezogen.  Die Strümpfe wurden, wenn sie nicht mehr zu flicken waren, aufgezogen und mit anderen alten wieder neu gestrickt. Nur die Haferlschuhe sahen sauber und gepflegt aus. Da ließ der Sepp seine Annamierl nicht ran, die wurden eingeschmiert mit Fett, 
dass sie nur so trieften, dann wurde gewienert und abends wurden sie mit Zeitungspapier ausgestopft und unters Bett gestellt.
Am nächsten Morgen stand das Ehepaar sehr früh auf.
"Zefix no amoi, der Knopf ist schon wieder ab", schimpfte der Sepp und zog es wieder aus, damit Annamierl einen anderen Knopf annähen konnte.
"Du Dotscherl, du", wies ihn seine Frau zurecht, "wenn du nicht so viel in dich 
(Dotscherl=jemand, der etwas ungeschickt ist.) einstopfen würdest, dann wäre der Knopf nicht abgesprungen.
"So, jetzt geh weiter, Alte, sonst kommen wir noch nicht fort, dann sind wir am Abend noch da."
Bald war es geschafft und Annamierl und Sepp fuhren mit ihrem Auto fort.
Aber Sepp lenkte das Auto nicht, wie Annamierl vermutete, nach Norden, sondern er steuerte den Süden an.
"Wo tust denn du hinfahren, das ist doch nie nicht richtig, da müssen wir doch auf den Berg rauf fahren"
"Na," meinte der Sepp, ich weiss noch was Besseres, ich mag einmal in die Berge rauf fahren und da ist heute Föhn und da haben wir eine saugute Aussicht und das mag ich einmal anschaun."
"Wennst meinst". Annamierl fügte sich, sie konnte ja so wie so nichts machen, da ihr Sepp schon in Richtung Alpen unterwegs war.
Sie fuhren also quer durch Niederbayern bis nach Rosenheim, dann hinauf nach Aschau um von dort auf die Kampenwand rauf zu kraxeln.
Annamierl war begeistert von der schönen Aussicht. Sie fand zwar den Weg sehr weit, das viele Benzin, das sie verfahren hatten, hätte leicht für mehrere
Fahrten in ihrer Umgebung gereicht, aber da sie nun schon mal da waren, genoss sie es um so mehr.
Beide waren geübte Wanderer, aber das Klettern war in ihrem Alter nicht mehr so leicht. Sie schnauften ganz beträchtlich und mussten immer wieder Pausen einlegen.
Der Sepp allerdings schaute nicht so sehr die wirklich wunderschöne Aussicht an, sondern nach etwas ganz Besonderem, an das er sich aus seiner früheren Jugendzeit erinnerte, aber er wusste nicht mehr, in welcher Höhe es war.
Da, jetzt glaubte er es gefunden zu haben. Je näher sie kamen um so mehr war er sich sicher, dass es diese Spalte war, tief, sehr tief und nicht sehr breit, gerade breit genug um einen Menschen wie Annamierl sehr tief fallen zu lassen.
"Glaubst, da können wir hinüber springen?" Annamierl war sich nicht sicher, denn es ging nicht nur sehr weit, sondern auch noch bergauf. Ob sie das in ihrem Alter noch
schaffen würde?
"Das schaffen wir schon noch," beruhigte sie ihr Gatte, "du zuerst und dann komm ich."
Annamierl schaute etwas zaghaft, fasste all ihren Mut zusammen, ihr Mann stand ja hinter ihr und das beruhigte sie.Als sie gerade ihren Sprung ausführte, merkte sie einen kräftigen Schubs im Rücken und sah mit Entsetzen die tiefschwarze Finsternis der Spalte vor sich und dann merkte sie nur noch wie sie fiel und fiel und fiel.
Der Sepp stand ungerührt am Rande und schaute ihr nach.
"Ruhe in Frieden", sagte er laut vor sich hin, drehte sich um und ging den Weg wieder hinunter zu seinem Auto um heim zu fahren.
Am nächsten Tag ging der Sepp zur Polizei.
"Du, Bepperl, die Annamierl ist gestern beim Wandern verschwunden. Das hat sie noch nie nicht gemacht",
"Wie, verschwunden?" wunderte sich der Bepperl. Die beiden kannten sich noch aus den frühesten Kindertagen. Sie spielten schon zusammen im Sandkasten, gingen
gemeinsam in die Schule. Der Bepperl wurde danach Polizist, weil er sich in die Uniform verliebt hatte und sich so mehr Chancen bei dem weiblichen Geschlecht versprach, was allerdings trügerisch war, er bekam einfach keine Frau. Und da er nicht gerne alleine zu Hause war und es an polizeilichem Nachwuchs fehlte, arbeitete er noch drei Tage die Woche. Der Sepp wurde Automechaniker, ein in dem kleinen Dorf angesehener Beruf, vor allen Dingen bei der Jugend.
"Na, halt verschwunden," wiederholte sich der Sepp.
"Sie wollt halt bieseln und ist hinter einen Busch gegangen und i hab g´wart und g´wart und sie ist nicht mehr gekommen." Der Sepp schaute sehr verzweifelt drein, jedenfalls bemühte er sich darum.
"Ja, meinst, ich sollte sie suchen, oder was?"
"Was denn sonst? Deswegen bin ich doch da, du Depp."
"Ich? Ganz allein?"
Der Bepperl war schon manchmal begriffsstutzig, jetzt im Alter noch mehr.
"Los, gehen wir," Der Sepp hatte es aber wirklich sehr eilig.
"Warte einmal, ich sag dem Wastl auch noch Bescheid. Vielleicht geht der auch mit?"
"Wenn du meinst".
Und so verschwand der Bepperl in den hinteren Räumen um nach kurzer Zeit mit dem Wastl wieder zu kommen.
"Grüß dich, Sepp, du machst ja Sachen," begrüßte sie der Wastl. Seit er der Chef in der Winkelbrunner Polizei war, bemühte er sich Hochdeutsch zu sprechen, was ihm allerdings nicht oft gelang.
"Habe die Ehre", erwiderte der Sepp. Der Bepperl war sein Spezl, doch der Wastl
war eine Respektsperson, die man gebührend begrüßen musste.
"Was hör ich da? Dein Weib ist verschwunden? Ja, wie das? Das geht doch gar nicht?"
Der Sepp konnte gar nicht die vielen Fragen auf einmal beantworten. Und der Wastl ist vor lauter Aufregung wieder in seine alte Heimatsprache zurück gefallen.
"Ja, das war so," begann der Sepp "wir sind rauf gegangen zur großen Kanzel undda hat halt meine Alte mal müssen und ist hinter einem Busch gegangen und da ist sie nicht mehr raus gekommen. Mehr weiss ich auch nicht."
"Da ist sie nicht mehr raus gekommen"?
"Na",
"Nachher schaun wir einmal". Die ganze Respektperson drückte sich in diesem Satz aus. Da gab es keine Widerrede.
Sie fuhren also in dem Polizeiauto zum Felswandergebiet und der Sepp war eifrig bei der Sache.
Dort angekommen meinte er: "Da haben wir gehalten und haben unser Auto stehn gelassen."
"Aha, also, das machen wir auch", meinte der Wastl und schon hatte er das Auto auf einen freien Platz gelenkt.
Alle drei Männer stiegen aus und der Sepp zeigte mit dem Finger an das Ende des Parkplatzes, dort, wo ein schmaler Fußweg nach oben führte.
"Dort sind wir rauf", versicherte er und so gingen die drei Männer den Weg entlang, den eigentlich Annamierl gestern gehen wollte.
Der Wald war hier ein herrlich dichter Mischwald mit viel Unterholz. So gingen sie weiter, immer mal wieder mit der Frage vom Wastl oder vom Bepperl, wann sie
endlich an der Stelle angekommen seien, denn der Bepperl war ja auch nicht mehr der Jüngste und der Wastl hatte eine ganz schöne "Wampn", wie seine Frau sich  
(Wampn=Bauch) ausdrückte und dann liebevoll drauf klatschte.
"Gleich haben wir es", versicherte der Sepp um dann lauthals zu verkünden, dass sie genau an dieser Stelle hinter diesem Busch verschwunden und einfach nicht wieder
aufgetaucht war.
"Da?"
"Ja, da!" versicherte der Sepp.
Der Bepperl war eifrig bei der Sache, wollte er doch vor seinem Chef einen guten
Eindruck hinterlassen. Und dieser folgte ihm, immer rechts und links schauend.
"Ich hab´ was gefunden"! verkündete der Bepperl eifrig.
"Was denn?"
"Das ist ein Taschentuch"
"Zeig einmal", jetzt kam die ganze Wucht der Amtsperson im Wastl zum Vorschein. Jetzt musste er ran, das war Chefsache.
Mit vorsichtigen spitzen Fingern, wenn man von spitz bei diesen doch erheblich angedickten Grabschern sprechen konnte, nahm er das Tuch, das an einem Busch hing und beäugte es von allen Seiten.
"Ah, da schau her, was ist denn das?"
Nun musste auch die andere Hand genommen werden und so breitete er das Tuch wie eine Trophäe aus.
"Da ist was eingestickt."
"Das ist ein "A" und ein "H", ist das das Taschentuch von deiner Annamierl?" wandte sich der Wastl an den Sepp, der gleich hinter ihm stand.
"Mei, meiner Annamierl ihr Taschentuch", schluchtzte der Sepp herzzerreißend.
"Also," sprach der Wastl abschließend, "die Annamierl ist definitiv da rauf gegangen
und ist nicht mehr zurück gekommen."
Sie suchten noch weiter, aber von der Ehefrau des Sepp war weit und breit nichts zu sehen. So fuhren sie wieder heim und gaben sich immer wieder der Hoffnung hin, vielleicht sei sie ja schon zu Hause und wartete auf ihren Sepp, oder sie habe sich verlaufen, sei irgendwo eingekehrt um am nächsten Tag nach Hause zu laufen. Aber zu Hause wartete niemand. Wastl und Bepperl gingen wieder in ihre Amtsstube um einen Bericht zu schreiben und der Sepp? Der pfiff fröhlich und gut gelaunt vor sich her. In der Küche, dort wo seine Annamierl immer die vielen Bierdosen mit dem Geld aufgewahrt hatte, zählte er die Scheine, packte sie zusammen und verstaute sie, an einem Faden hängend, von oben hinter dem Kleiderschrank seiner Frau. Dann ging er pfeifend ins Bett und schlief endlich beglückt ein.
Das Verschwinden von Annamierl Huber machte im ganzen Dorf in Windeseile die Runde. Aber auch der Lukas und der Franz hörten von diesem Gerücht und wussten
zuerst einmal gar nicht, was sie davon halten sollten. Das Auto der Hubers stand, wie immer auf seinem angemieteten Stammplatz und nach der Schule machten sich die zwei Freunde dorthin auf.
"Was meinst, Rolli," fing der Franz an und nannte seinen Freund mit dem Spitznamen, "ob der Kasten noch unter dem Wagen ist"?
"Schauen wir einmal,"
Beide schauten sich vorsichtig um, ob auch ja niemand in der Nähe war und so pirschten sie sich vorsichtig an das Auto. Und tatsächlich, es war noch dran.
Lukas nahm den Kasten ab und dann nahmen sie ganz schnell ihre Schultaschen und liefen auf den Sportplatz. Dort fühlten sie sich sicher.
Der Chip, den sie dann heraus zogen, musste allerdings in einen Computer eingesteckt werden um ihn auszuwerten. Aber das war kein Problem, denn sie mussten schon in der Schule damit arbeiten und daher hatten beide Buben ihre Geräte.
"Gehn wir zu mir!" meinte Lukas, "meine Mutter ist noch bei der Tante, die wo krank ist, da sind wir allein,"
Gesagt, getan. Eifrig brachten sie ihren PC in Gang, setzten den Chip in den dafür vorgesehenen Schlitz und warteten ob der Dinge, die da kommen sollten.
"Ja, super, das ist der Hammer," rief Lukas aus und staunte, was dieser unscheinbare Kasten so alles konnte. Auf dem Bildschirm war eine Karte von ganz Süddeutschland zu sehen und darauf war mit einem roten Strich die Markierung zu sehen, die das Auto am Vortag genommen hatte.
"Saugrad," pflichtete sein Freund ihm bei.
"Aber wie das, ich denk, die sind zur großen Kanzel rauf gegangen, aber das sind doch die Alpen?"
"Das ist die Kampenwand, ich weiß das, weil ich mit meiem Vater auch einmal dort unten war."
"Aber das gibts doch gar nie nicht, alle Leut haben gesagt, dass sie im Norden gewesen sind, do können sie doch nicht gleichzeitig im Süden sei." Vor lauter angestrengtem
Nachdenken legte Franz seine Stirn in Falten und seinen Finger auf die Nasenspitze.
"Ich habs", verkündete er, "die sind gar nie nicht auf der großen Kanzel gewesen, der Huber Sepp hat gelogen."
"Meinst?"
"Ich schon."
"Aber, da müssen wir zur Polizei gehn".
Die beiden Buben nahmen ihren Chip heraus, fuhren den PC herunter und machten sich sogleich auf den Weg zur Polizeistation.
"Der Huber hat gelogen" platzte der Lukas gleich mit seiner Neuigkeit heraus. "Der war gar nie nicht auf der großen Kanzel".
Erwartungsvoll schauten die beiden Freunde den Bepperl an um ja nicht zu verpassen, wie die Nachricht bei dem Polizisten ankommen würde. Aber dieser
winkte erst mal ab.
"Na, ihr Möchtegern-Detektive, wieso glaubts ihr, dass der Huber Sepp gelogen hat?"
"Der hat Sie angelogen," bekräftigte Franz die Aussage seines Freundes. "Wir haben das schwarz auf weiß, dass der dich angelogen hat.“
Lukas hielt dem Polizisten den Chip hin.
Ungläubig schaute sich dieser den Chip an und so erzählten beide Jungens mal gemeinsam, mal hintereinander, ihre Geschichte, wie sie das Auto präpariert hatten um mal den Detektivkasten aus zu probieren, wie er am anderen Tag aber nicht mehr da stand und heute wollten sie sich anschauen, was der Kasten
aufgezeichnet hatte.
Noch während die Beiden erzählten, steckte Bepperl den Chip in seinen Computer und staunte nicht schlecht, als er die Route genau vom Parkplatz, den der Sepp
gemietet hatte, rot angezeigt wurde. Sie führte tatsächlich nicht zur großen Kanzel, sondern schnurstracks nach Süden, bis nahe der Kampenwand, blieb dort stehen und dann zeigte die rote Linie wieder genau den selben Weg zurück bis hin zu dem Parkplatz.
"Seit wann hast denn du den Kasten?" wollte er von Lukas wissen.
"Den hab ich an meinem Geburtstag bekommen, vorige Woche war das, aber" versicherte er eifrig, "den da habe ich noch nie nicht gebraucht, das kann der Franz bezeugen." Ganz stolz war er auf die Formulierung seines Satzes, den er irgendwann einmal aufgeschnappt hatte. Bepperl wirkte nachdenklich, sehr nachdenklich. Das war natürlich etwas, was man eine glückliche Fügung nennen konnte. Aber, so dachte er weiter, das darf zuerst einmal niemand und schon gar nicht der Huber Sepp vorzeitig erfahren.
"So," fing er vorsichtig an, "so, jetzt sag ich euch einmal was, aber das müßt ihr mir versprechen, dass ihr nie niemals etwas weiter sagts, ist das klar!"
Die letzten drei Worte wurden hörbar laut und in einwandfreiem Hochdeutsch gesprochen um ihre Wirkung noch zu erhöhen.
"Unser heiliges Ehrenwort, bei meiner Seele," sprach feierlich der Lukas und sein Freund pflichtete ihm eifrig bei.
"Kein Wort nicht kommt über unsere Lippen"
Und so verließen sie die Polizeistation um endlich ihre Hausaufgaben zu machen. Aber die fielen so schlecht aus wie noch nie, da beide mit ihren Gedanken ganz woanders waren.
Bepperl wartete, bis die beiden Jungens draußen waren, dann griff er eilig zum Telefon.
„Du, Wastl, komm einmal rauf, ich hab was ganz Tolles in Sachen Annamierl. Komm aber gleich.“
Bepperl wartete gar nicht erst die Antwort ab, er starrte fasziniert auf den Bildschirm und auf die rote Linie, die sich quer über die Karte erstreckte.
Sein Spezl hatte ihn belogen, war vielleicht ein Mörder! Er konnte es einfach nicht fassen. Der Sepp war doch sonst so bieder und brav, man konnte sich voll auf ihn verlassen, nein, das kann nicht sein, er nicht. Nein, nein und nochmals nein.
Als der Wastl zur Tür herein kam, begrüßte ihn der Bepperl gar nicht richtig, weil er ganz aufgeregt auf den Bildschirm zeigte.
„Ja, und?“ Wastl zuckte nur mit den Schultern. Eine Karte und eine rote Linie. Was soll das?
„Und deswegen tust du mich anrufen? Ich hab was Besseres zu tun als eine Karte anschaun“
„Aber das ist eine Karte, die wo anzeigt, wo der Sepp gefahrn ist.“
Und endlich erzählte er von den beiden Buben, die den Spionagekasten an das Auto vom Huber angeklemmt hatten und wie sie dann damit zu ihm gekommen waren.
„Ich glaube, ich spinne“ gab der Wastl zum Besten. Er war so fasziniert davon, dass er ganz vergaß, dass er hier der Chef war und eigentlich Hochdeutsch sprechen wollte.
„Den hätt´n wir nie nicht ohne den Kasten hier bekommen, ich meine, überführen können.“
„Ja, aber wo sind die dann hingegangen? Auf den Berg?”
“Freilich auf den Berg, wo denn sonst?“
„Und die Annamierl?“
„Die muss er dort umgebracht haben.“
„Ah, geh, der Sepp doch nicht.“
„Was ich dir sage. Wo sollte sie sonst hingegangen sein. Und“ fügte der Bepperl eifrig
hinzu, „warum hat er uns angelogen? Wann ich dir´s sag, der Sepp ist ein Mörder.“
„Den müssen wir fragen, kannst gleich hingehen zum Sepp und bringst ihn mir gleich aufs Revier.“
Das war ein Befehl und der Bepperl schlüpfte eifrig in seine Jacke, nahm seinen Hut und wollte gleich gehen.
„Aber, dass du ihm nichts erzählst, hoast mi!“ (hast du mich verstanden)
„Ist schon gut,“ meinte darauf der Bepperl und verschwand.
Als der Huber Sepp aufmachte, nicht ohne vorher in den Spiegel zu schauen, ob er auch ja ein leidendes Gesicht macht, war er sehr verblüfft, seinen
Spezl zu sehen. Sollten sie? Aber nein, keiner wird ihre Leiche dort vermuten und in einer Spalte schon gar nicht. Aussichtslos, ja er, der Sepp war schon ein
Pfundskerl, er allein hat den perfekten Mord begangen und der Tag danach war so friedlich und still, wie schon lange nicht mehr in seinem Leben. Klar, ein
wenig zu still war es schon, aber nach einem Trauerjahr würde er sich eine junge, hübsche, Frau nehmen und dann war die Welt wieder in Ordnung.
„Ist was?“
„Ich soll dich mitnehmen zum Chef.“
Auf die Frage, warum, zuckte der Wastl nur mit den Schultern. Er wollte seinen ehemaligen Spezl nicht anlügen und deshalb sagte er lieber nichts. Der würde es ohnehin gleich erfahren und so war es auch.
„Du warst mit der Annamierl droben auf der großen Kanzel?“ fing der Wastl an.
„Ja“, war der Kommentar vom Sepp.
„Gestern?“
„Ja.“
„Und du warst nicht zufällig woanders?“
Jetzt horchte der Sepp auf. Sollten die doch was anderes vermuten? Hat ihn jemand gesehen? Aber er hatte doch so aufgepasst, das kann doch nicht sein, wahrscheinlich wollten sie ihn auf die Probe stellen und deshalb die Fragerei.
„Nein,“
„Wieso hat dann die Spionagekarte eine ganz andere Route aufgezeichnet, als du gesagt hast?“
„Ich habe keine andere Route gehabt, nie nicht,“ bekräftigte der Sepp seine Aussage.
„So, und was ist denn das da?“
Mit diesen Worten drehte der Wastl den Bildschirm des Computers herum, damit der Sepp die Karte sehen konnte.
Der starrte ungläubig darauf, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Das war genau der Weg, den das Auto zurückgelegt hatte. Aber der Platz, an dem der Mord geschah, den sah man nicht.
Der Sepp unternahm noch einmal einen Vorstoß um seine Haut zu retten und ungeschoren davon zu kommen.
„Das da,“ begann er, „Das war sicherlich vorige Woche. Ja, genau so wars, wir sind am Donnerstag in die Berge, das war richtig schön.“
„So, so, am Donnerstag. Aber da hats geregnet und da willst du in die Berg reingehen?“
Mist, das war nicht besonders schlau.
„Nein, wir sind nicht in die Berge rauf, sondern wir sind unten spazieren gegangen und dann eingekehrt in so eine Wirtsstuben.“
Das war gut, dachte sich der Sepp, wenn der Wastl und sein Assistent Bepperl Nachforschungen anstellen, dann machen sie es unten im Tal und gehen nicht rauf, wo die Annamierl, Gott hab´ sie selig, ruht.
„Und das soll ich dir glauben?“
„Wenn es wahr ist,“
„Ist es aber nicht!“
Die Geduld des Wastl war bald erschöpft. Dass der Sepp so aalglatt war, hätte er nicht gedacht. Wie sollte er da ein Geständnis aus ihm herauspressen? Noch
einen letzten Versuch würde er machen, wenn er dabei keinen Erfolg hat, musste er ihn mangels Beweise laufen lassen.
„Aber der Lukas hat an dem Tag noch keinen Kasten gehabt, den hat er erst an seinem Geburtstag am Freitag bekommen“
Jetzt war der Sepp am Ende. Er gestand, dass er die Annamierl in eine Spalte gestoßen hatte, weil sie ihn immer bevormundete und extrem sparsam war.
Wastl und Bepperl waren zufrieden, sie hatten einen fast perfekten Mord Dank zweier Buben aufgeklärt.
                                          
   Heidrun Urich



in "Bayrisch"

 Lukas spielt gerne und viel.  Auch heute  hat er sein neuestes Spiel, einen Detektivkasten mit auf den Sportplatz genommen, weil er wusste, dass Franz auch da war. Franz war sein bester Freund. Heute wartete er schon.
“Schaug, wos i von meim Onkel g´schenkt kriagt  hob,” fing er an und öffnete den Kasten.
“Ui, a Detektiv-Kasten. Do kann ma feilgrod  Fingerabdrück nemma und do is a Lupe”, Franz war begeistert und schaute seinen Freund gleich mit der Lupe an.
“Schaug,  do is a Ortungsgerät, do kann i einischaun, wo d´Eltern san oder, no besser”, begeisterte er sich, “ wenn du hoim gangest, dann kann i schaugn, ob du tatsächlich hoam gangest.”
“Wahnsinn, des i voll cool. Komm, des probiern ma glei aus”
“Warum, moagst  jetzat scho hoam  ganga?”
“Doofkopp, mir nehma irgend oi Person und sagn ihr dann, dass sie sich verstecke soll.”
“Quatsch, des is doch bleed, die Person soll doch nia nix dodavo mitbekomma. Des macht doch vui mehra Spaß.”
“I woiß no wos Bessas. Mir mach´n es an oim Auto dro und dann ko ma schaung, wo die hifahra.”
Die beiden Freunde waren eifrig bei der Sache. Gleich gingen sie auf den Parkplatz, der an dem Sportplatz angrenzte.
“Schaug  amoi, der ist doch prima.”
“Der ganget gar net, des is doch dera vom dritten Stock, dera fahrt vui zu selten Auto, do misse ma zu lang worten.”
“Aber dera do, des ist doch die ...  Ah nee,” meinte Lukas gleich darauf enttäuscht, "die duat doch ehna deppertn Bua immer in da Fruh furt und do san mir in da Schui.”                        
Sie gingen weiter.

“Dera do, dera is genau  richtig, des  san  doch d´Hubers, die fahrn vui fort, so zum Woindern und zum Eikaffa und so. Den Wogn nemma mia.”   
Beide Buben waren begeistert und brachten ihr neues Spielzeug mit einem Magnet unter dem Auto an. Dann liefen sie weg. 
Annamierl und Sepp Huber, ein Rentnerehepaar gehen oft und gerne wandern. So kennen sie sich in ihrer Umgebung schon sehr gut aus und die Kreise, die sie auf ihrer Karte ziehen, werden immer größer. 
“Woas moinst, Annamierl, soll mia amoil auffi ganga auf den Baumwipfelpfad uns des  ogschaue? Da Peter hot scho nochgfrogt un i hob zuagebn misse, dass i no nia nich droben war. Er wor total ganz begeistert.”
“I mog aber net dort hi ganga, wo so vui  Saupreißn san.” 
“Wo mogst  denn sunscht hi ganga”?
“I mog amol auffi gang auf ´ne Burg?"
Annamierl schaute ihren Sepp erwartungsvoll an. Der aber war gar nicht begeistert von dem Vorschlag seiner Frau. 
"Na, do gangets net, do san no vui mehra Touristen, i mog do higanga, wo ma des letzte moi woirn, woist, do auffi zur großen Kanzel, do wo du dei Roatztuach verlorn hoast."
"Jo, do ganga ma hi," ließ sich Annamierl vernehmen, "Vuilleicht find ma des Roatztuach wieder." 
Annamierl war zeitlebens sehr sparsam, eben eine echte Biadoasnsammlerin.  Also   eine,  die  Bierdosen   sammelt, weil sie  alles Geld am liebsten in ihre vorher ausgetrunkenen Bierdosen  sammelt. Aber  auch  sonst und  speziell bei ihrem Sepp  ließ sie  ihre  Sparsamkeit an  ihm  aus. Wenn die Hose vom Sepp zerrissen war, wurde geflickt, war der Flick zerrissen, wurde draufgeflickt. Der Hut hatte auch schon bessere Tage gesehen und das Hemd wurde abends gewaschen, über die Heizung gehängt und tags darauf wieder angezogen. Die Strümpfe wurden, wenn sie nicht mehr zu flicken waren, aufgezogen und mit anderen alten wieder neu gestrickt. Nur die Haferlschuhe sahen sauber und gepflegt aus.  Da ließ der Sepp seine Annamierl nicht ran, die wurden eingeschmiert mit Fett, dass sie nur so trieften, dann wurde gewienert und abends wurden sie mit Zeitungspapier ausgestopft und unters Bett gestellt.
Am nächsten Morgen stand das Ehepaar sehr früh auf. 
"Zefix no amoi, dara Knopf is scho wiada oba", schimpfte der Sepp und zog es wieder aus, damit Annamierl einen anderen Knopf annähen konnte. 
"Du Dotscherl, du", wies ihn seine Frau zurecht, "wannst nat so vui in di einistopfn duast, dann war da Knopf net obasprunga. 
"So, jetzat geh weider, Oidi, sunst kimma ma no nit furt, dann san ma am Obend no do."
Bald  war  es  geschafft  und  Annamierl und Sepp fuhren mit ihrem Auto fort.
Aber Sepp lenkte das Auto nicht, wie Annamierl vermutete, nach Norden, sondern er steuerte den Süden an.
"Wo gangets denn du hifohrn, des is doch nia net richtig, do misse ma doch aufm Berg owi fohrn" 
"Na," meinte der Sepp, i woass no wos Bessers, i mag moi in die Berg auffifohrn und do is heit Föhn und do hoba ma a sauguate Aussicht und des mog i amoi oschaun."
"Wonnst  moanst". Annamierl fügte sich, sie konnte ja sowieso nichts machen, da ihr Sepp schon in Richtung Alpen unterwegs war.
Sie fuhren also quer durch Niederbayern bis nach Rosenheim, dann hinauf nach Aschau um von dort auf die Kampenwand rauf zu kraxeln. 
Annamierl war begeistert von der schönen Aussicht. Sie fand zwar den Weg sehr weit, das viele Benzin, das sie verfahren hatten, hätte leicht für mehrere Fahrten in ihrer Umgebung gereicht, aber da sie nun schon  mal da waren, genoss sie es um so mehr.
Beide waren geübte Wanderer, aber das Klettern war in ihrem Alter nicht mehr so leicht. Sie schnauften ganz beträchtlich und mussten immer wieder Pausen einlegen.
Der Sepp allerdings schaute nicht so sehr die wirklich wunderschöne Aussicht an, sondern nach etwas ganz Besonderem, an das er sich aus seiner früheren Jugendzeit erinnerte, aber er wusste nicht mehr, in welcher Höhe es war. 
Da, jetzt glaubte er es gefunden zu haben. Je näher sie kamen um so mehr war er sich sicher, dass es diese Spalte war, tief, sehr tief und nicht sehr breit, gerade breit genug um einen Menschen wie Annamierl sehr tief fallen zu lassen.
"Glabst, do kemma nüber springa?" Annamierl war sich nicht sicher, denn es ging nicht nur sehr weit, sondern auch noch bergauf. Ob sie das in ihrem Alter noch schaffen würde? 
"Des schaffa ma scho no," beruhigte sie ihr Gatte, "du zuerscht und dann komm i."
Annamierl schaute etwas zaghaft, fasste all ihren Mut zusammen, ihr Mann stand ja hinter ihr und das beruhigte sie.
Als  sie  gerade  ihren   Sprung  ausführte,  merkte  sie   einen kräftigen Schubs im Rücken und sah mit Entsetzen die tiefschwarze Finsternis der Spalte vor sich und  dann merkte sie nur noch wie sie fiel und fiel und fiel.
Der Sepp stand ungerührt am Rande und schaute ihr nach.
"Ruhe in Frieden", sagte er laut vor sich hin, drehte sich um und ging den Weg wieder hinunter zu seinem Auto um heim zu fahren. 
Am nächsten Tag ging der Sepp zur Polizei. 
"Du, Bepperl, die Annamierl is gestern aufm Wandern verschwunden. Des hot sie no nia nich gmocht",
"Wia, verschwunden?" wunderte sich der Bepperl. Die beiden kannten sich noch aus den frühesten Kindertagen. Sie spielten schon zusammen im Sandkasten, gingen gemeinsam in die Schule, obwohl der Sepp ein Jahr älter war, aber in Winkelsbrunn waren nicht so viele Kinder und so konnten sie alle, von der ersten bis zur letzten Klasse, gemeinsam in einem Raum unterrichtet werden. Der Bepperl wurde danach Polizist, weil er sich in die Uniform verliebt hatte und sich so mehr Chancen bei dem weiblichen Geschlecht versprach, was allerdings trügerisch war, er bekam einfach keine Frau. Und  da  er  nicht  gerne  alleine  zu   Hause  war  und  es   an polizeilichem Nachwuchs fehlte, arbeitete er noch drei Tage die Woche. Der Sepp wurde Automechaniker, ein in dem kleinen Dorf angesehener Beruf, vor allen Dingen bei der Jugend. 
"Na, hoit verschwunden," wiederholte sich der Sepp. 
"Sie wollt hoít pieseln und is hinter eahm Busch ganga und i hoab gwoart und gwoart und sie is nimmer kimma." Der Sepp schaute sehr verzweifelt drein, jedenfalls bemühte er sich darum.
"Jo, moanst, i sollt se suchn, oder wos?"
"Wos denn sunscht? Dessat wegn bin i doch do, du Depp."
"I? Gons alloi?" 
Der Bepperl war schon manchmal begriffsstutzig, jetzt im Alter noch mehr.
"Auffi, geh ma," Der Sepp hatte es aber wirklich sehr eilig.
"Woart  amoi, i sog  dem  Wastl  a no Bescheid. Vuilleicht ganget der a mit?"
"Wannst moinst".
Und so verschwand der Bepperl in den hinteren Räumen um nach kurzer Zeit mit dem Wastl wieder zu kommen.
"Griaß di, Sepp, du machst ja Sachen," begrüßte sie der Wastl. Seit er der Chef in der Winkelbrunner Polizei war, bemühte er sich Hochdeutsch zu sprechen, was ihm allerdings nicht oft gelang. 
"Habe die Ehre", erwiderte der Sepp. Der Bepperl war sein Spezl, doch der Wastl war eine Respektperson, die man gebührend begrüßen musste.
"Was hear i do? Dei Wei is verschwunden? Jo, wia des? Des ganget do gor net?"
Der  Sepp  konnte  gar  nicht  die  vielen  Fragen  auf   einmal beantworten. Und der Wastl ist vor lauter Aufregung wieder in seine alte Heimatsprache zurück gefallen.
"Jo, des wara so," begann der Sepp "mia san  auffi ganga zur großen Kanzel und do hot hoalt mei Oadi mol missa und is hinter anam Busch owa ganga und do is sie nimmer aussi kimma. Mehra woas i a net." 
"Do is sie nimmer aussi kimma"?
"Na",
"Nacha schaug ma a moi". Die  ganze Respektperson drückte sich in diesem Satz aus. Da gab es keine Widerrede.
Sie fuhren also in dem Polizeiauto zum Felswandergebiet und der Sepp war eifrig bei der Sache. 
Dort angekommen meinte er: "Do san ma g´holtn und hoam unser Auto stehg lossa." 
"Aha, also, des macha ma a", meinte der Wastl und schon hatte er das Auto auf einen freien Platz gelenkt. 
Alle  drei  Männer stiegen  aus und der Sepp zeigte mit dem Finger an das Ende des Parkplatzes, dort, wo ein schmaler Fußweg nach oben führte. 
"Dort san ma auffi", versicherte er und so gingen die drei Männer den Weg entlang, den eigentlich Annamierl gestern gehen wollte.
Der Wald war hier ein herrlich dichter Mischwald mit viel Unterholz. So gingen sie weiter, immer mal wieder mit der Frage vom Wastl oder vom Bepperl, wann  sie endlich an der Stelle angekommen seien, denn der Bepperl war ja auch nicht mehr der Jüngste und der Wastl hatte eine ganz schöne "Wampn", wie seine Frau sich ausdrückte und dann liebevoll drauf klatschte.
"Glei  hoam  mas", versicherte  der Sepp um dann lauthals zu verkünden, dass sie genau an dieser Stelle hinter diesem Busch verschwunden und einfach nicht wieder aufgetaucht war.
"Do?"
"Jo, do!" versicherte der Sepp.
Der Bepperl war eifrig bei der Sache, wollte er doch vor seinem Chef einen guten Eindruck hinterlassen. Und dieser folgte ihm, immer rechts und links schauend.
"I hoab was gfundn"! verkündete der Bepperl eifrig. 
"Woas´n?"
"Des is a Roatztuach"
"Zeig a moi", jetzt kam die ganze Wucht der Amtsperson im Wastl zum Vorschein. Jetzt musste er ran, das war Chefsache. 
Mit vorsichtigen spitzen Fingern, wenn man von spitz bei diesen doch erheblich angedickten Grabschern sprechen konnte, nahm er das Taschentuch, das an einem Busch hing und beäugte es von allen Seiten. 
"Ah, da schau her, wos is denn dös?"
Nun musste auch die andere Hand genommen werden und so breitete er das Tuch wie eine Trophäe aus. 
"Do is wos einigstickt."
"Dös is a "A" und a "H", is des des Roatztuach von deiner Annamierl?" wandte sich der Wastl an den Sepp, der gleich hinter ihm stand.
"Mei, meim Annamierl ihr a Roatzfahne", schluchtzte der Sepp herzzerreißend.
"Also," sprach der Wastl abschließend, "die Annamierl is definitiv do auffiganga und is nimmer zruck."
Sie  suchten  noch weiter, aber von der Ehefrau des Sepp war weit  und  breit  nichts  zu sehen. So  fuhren sie wieder  heim und gaben sich immer wieder der Hoffnung hin, vielleicht sei sie ja schon zu Hause und wartete auf ihren Sepp, oder sie habe sich verlaufen, sei irgendwo eingekehrt um am nächsten Tag nach Hause zu laufen.  Aber zu Hause wartete niemand. Wastl und Bepperl gingen wieder in ihre Amtsstube um einen Bericht zu schreiben und der Sepp? Der pfiff fröhlich und  gut gelaunt vor sich her. In der Küche, dort wo seine Annamierl immer die vielen Bierdosen mit dem Geld aufgewahrt hatte, zählte er die Scheine, packte sie zusammen und verstaute sie, an einem Faden hängend, von oben hinter dem Kleiderschrank seiner Frau. Dann ging er pfeifend ins Bett und schlief endlich beglückt ein.
Das Verschwinden von Annamierl Huber machte im ganzen Dorf  in Windeseile die Runde. Aber auch der Lukas und der Franz hörten von diesem Gerücht und wussten zuerst einmal gar nicht, was sie davon halten sollten. Das Auto der Hubers stand, wie immer auf seinem angemieteten Stammplatz und nach der Schule machten sich die zwei Freunde dorthin auf.
"Woas moanst, Rolli," fing der Franz an und nannte seinen Freund mit dem Spitznamen, "ob dara Kasten no unter dem Wogn is"?
"Schaug ma moi,"
Beide schauten sich vorsichtig um, ob auch ja niemand in der Nähe war und so pirschten sie sich vorsichtig an das Auto. Und tatsächlich, es war noch  dran. Lukas  nahm den  Kasten ab und  dann  nahmen sie ganz schnell ihre Schultaschen und liefen auf den Sportplatz. Dort fühlten sie sich sicher. 
Der  Chip, den  sie dann  heraus zogen, musste  allerdings  in einen Computer eingesteckt werden um ihn auszuwerten. Aber  das war  kein Problem, denn  sie  mussten schon  in der Schule damit arbeiten und daher hatten beide Buben ihre Geräte.
"Genga mia zu mia!" meinte Lukas, "mei Muada is no bei da Tante, di wo krank is, do san ma alloi,"
Gesagt, getan. Eifrig brachten sie ihren PC in Gang, setzten den Chip in den dafür vorgesehenen Schlitz und warteten ob der Dinge, die da kommen sollten.
"Jo, pfei grad, des is a Hammer," rief Lukas aus und staunte, was  dieser  unscheinbare  Kasten so alles  konnte.  Auf  dem Bildschirm war eine Karte von ganz Süddeutschland zu sehen und darauf war mit einem roten Strich die Markierung zu sehen, die das Auto am Vortag genommen hatte. 
"Saugrad," pflichtete sein Freund ihm bei.
"Aber wia des, i denk, die san zur großen Kanzel auffi ganga, aber des san doch die Alpen?"
"Dös is die Kampenwand, i woas des, weil i mit meim Vodder a amoi dort drunt war."
"Aber des gibts do gor nia net, alla Leit hobn gsogt, dass sie im Norden gwen san, do kenna sia do net gleichzeitig im Süden san." Vor lauter angestrengtem Nachdenken legte Franz seine Stirn in Falten und seinen Finger auf die Nasenspitze.
"I hobs", verkündete er, "die san gar nia net auf dera großen Kanzel gwen, der Huber Sepp hot glogn."
"Moanst?"
"I scho,"
"Aba, do missa ma zur Polizei ganga".
Die beiden Buben  nahmen ihren Chip heraus, fuhren den PC herunter und machten sich sogleich auf den Weg zur Polizeistation. 
"Der Huba hot glogn" platzte der Lukas gleich mit seiner Neuigkeit heraus. "Der war gar nia net auf dera großen Kanzel".
Erwartungsvoll schauten die beiden Freunde den Bepperl an um ja nicht zu verpassen, wie die Nachricht bei dem Polizisten ankommen würde. Aber dieser winkte erst mal ab.
"Na, ihr Möchtegern-Detektive, wieso glabts ihr, dass der Huber Sepp glogn hot?"
"Der hot eahna oglogn," bekräftigte Franz die Aussage seines Freundes. "Mia ham des schwarz auf weiß, dass dera di oglogn hot. 
Lukas hielt dem Polizisten den Chip hin. 
Ungläubig schaute sich dieser den Chip an und so erzählten beide Jungens mal gemeinsam, mal hintereinander, ihre Geschichte, wie sie das Auto präpariert hatten um mal den Detektivkasten aus zu probieren. Wie er am anderen Tag aber nicht mehr da stand und heute wollten sie sich anschauen, was der Kasten aufgezeichnet hatte.
Noch während die Beiden erzählten, steckte Bepperl den Chip in seinen Computer und staunte nicht schlecht, als er die Route genau vom Parkplatz, den der Sepp gemietet hatte, rot angezeigt wurde. Sie führte tatsächlich nicht zur großen Kanzel, sondern schnurstracks nach Süden, bis nahe der Kampenwand, blieb dort stehen und dann zeigte die rote Linie wieder genau den selben Weg zurück bis hin zu dem Parkplatz.
"Seit wann host denn du den Kasten?" wollte er von Lukas wissen.
"Den  hob i  an  meim  Geburtstag  kriagt, voriga  Wochn wor des,  aber"  versicherte  er  eifrig, "des  do  hob  i  no  nia  net gebraucht, dös kann der Franz bezeugen." Ganz stolz war er auf die Formulierung seines Satzes, den er irgendwann einmal aufgeschnappt hatte.
Bepperl  wirkte  nachdenklich, sehr  nachdenklich. Das  war  natürlich etwas, was man eine glückliche Fügung nennen konnte. Aber, so dachte er weiter, das darf zuerst einmal niemand und schon gar nicht der Huber Sepp vorzeitig erfahren.
"So,"  fing  er  vorsichtig an, "so, jetzat sog i eich  amoi  was, aber  des missat  ihr  mia versprecha, dass ihr nie niamois ebbes weiter sagt, ist das klar!"
Die letzten drei Worte wurden hörbar laut und in einwandfreiem Hochdeutsch gesprochen um ihre Wirkung noch zu erhöhen.
"Unsa heiligs Ehrenwort, bei meina Soil," sprach feierlich der Lukas und sein Freund pflichtete ihm eifrig bei. 
"Koa Wort net kimmt über unsera Lippn" 
Und so verließen sie die Polizeistation um endlich ihre Hausaufgaben zu machen, aber die fielen so schlecht aus wie noch nie, da beide mit ihren Gedanken ganz woanders waren.
Bepperl wartete, bis die beiden Jungens draußen waren, dann griff er eilig zum Telefon.
„Du, Wastl, kimm amoi auffi, i hob was ganz Tolles in Sachen Annamierl. Kimm aber glei.“
Bepperl wartete gar nicht erst die Antwort ab, er starrte fasziniert auf den Bildschirm und auf die rote Linie, die sich quer über die Karte erstreckte. 
Sein Spezl hatte ihn belogen, war vielleicht ein Mörder! Er konnte es einfach nicht fassen. Der Sepp war doch sonst so bieder und brav, man konnte sich voll auf ihn verlassen, nein, das kann nicht sein, er nicht. Nein, nein und nochmals nein.
Als der Wastl zur Tür herein kam, begrüßte ihn der Bepperl gar nicht richtig, weil er ganz aufgeregt auf den Bildschirm zeigte.
„Jo, und?“ Wastl zuckte nur mit den Schultern. Eine Karte und eine rote Linie. Was soll das? 
„Und desdaweng tuast du mi oruaffa?  I hoab wos bessares zum doa ois a Kart´n oschaung“
„Oba dös is a Kart, wo drauffi is, wo der Sepp gfoarn is.“
Und endlich erzählte er von den Buben, die den Spionagekasten an das Auto vom Huber angeklemmt hatten und wie sie dann damit zu ihm gekommen waren.
„I glab, i spinn“ gab der Wastl zum Besten. Er war so fasziniert davon, dass er ganz vergaß, dass er hier der Chef war und eigentlich Hochdeutsch sprechen wollte.
„Den hätt´n mia nia nich ohne den Kasten hier bekommen, i moan, überfüahrn kenna.“
„Jo, oba wo san dia do higanga? Aufm Berg?”
“Freili aufm Berg, wo denn sunscht?“
„Und´s Annamierl?“
„Die muas eahm dort umbroacht hoam.“
„Ah, geh, der Sepp do net.“
„Wos i dir soag. Wo sollt sie sunscht higanga san. Und“ fügte der Bepperl eifrig hinzu, „warum hot er uns ogloang?“
„Wann i dir´s soag, der Sepp is a Mörder.“
„Den miassm ma froang, kunnst glei auffiganga zum Sepp und briangst man glei aufm Revier.“
Das war ein Befehl und der Wastl schlüpfte eifrig in sein Wams, nahm seinen Hut und wollte gleich gehen.
„Oba, dass du eahm nix vazählst, hoast mi!“
„Is scho guat,“ meinte darauf der Bepperl  und verschwand.
Als der Huber Sepp aufmachte, nicht ohne vorher in den Spiegel zu schauen, ob er auch ja ein leidendes Gesicht macht, war er sehr verblüfft, seinen  Spezl  zu  sehen. Sollten sie? Aber nein, keiner  wird ihre Leiche dort vermuten und in einer Spalte schon gar nicht. Aussichtslos, ja er, der Sepp war schon ein Pfundskerl, er allein hat den perfekten Mord begangen und der Tag danach war so friedlich und still, wie schon lange nicht mehr in seinem Leben. Klar, ein wenig zu still war es schon, aber nach einem Trauerjahr würde er sich eine junge, hübsche, Frau nehmen und dann war die Welt wieder in Ordnung.
„Is wos?“
„I soll di mitnamma zum Chef.“
Auf die Frage, warum, zuckte der Wastl nur mit den Schultern. Er wollte seinen ehemaligen Spezl nicht anlügen und deshalb sagte er lieber nichts. Der würde es ohnehin gleich erfahren und so war es auch.
„Du woarst mit der Annamierl auffi auf dera großen Kanzel?“ fing der Wastl an.
„Jo“, war der Kommentar vom Sepp.
„Gestern?“
„Jo.“
„Und du woarst net zufällig woanders?“
Jetzt horchte der Sepp auf. Sollten die doch was anderes vermuten? Hat ihn jemand gesehen? Aber er hatte doch so aufgepasst, das kann doch nicht sein, wahrscheinlich wollten sie ihn auf die Probe stellen und deshalb die Fragerei.
„Na,“
„Wieso hot dann die Spionagekarte a ganz anderne Route aufgezeichnet, ois  du gsagt hoscht?“
„I hoab koa anderne Route ghabt, nia nich,“ bekräftigte der Sepp seine Aussage.
„So, und woas is denn dös do?“
Mit diesen Worten drehte der Wastl den Bildschirm des Computers herum, damit der Sepp die Karte sehen konnte.
Der starrte ungläubig darauf, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Das war genau der Weg, den das Auto zurückgelegt   hatte.   Aber   der   Platz,   an   dem   der  Mord geschah, den sah man nicht.
Der Sepp unternahm noch einmal einen Vorstoß um seine Haut zu retten und ungeschoren davon zu kommen.
„Dös do,“ begann er, „Dös woar sicherlich vorige Woch. Jo, genau so woars, mia san am Dunnerstog auffi in die Berg, des war richtig scheh.“
„So, so, am Dunnersdog. Aba do hots  grengat und do wuist du in die Berg einigegn?“
Mist, das war nicht besonders schlau.
„Na, mia san net in die Berg auffi, sondern mia san  unt spaziern ganga und dann einikehrt in so a Wirtsstuabn.“
Das war gut, dachte sich der Sepp, wenn der Wastl und sein Assistent Bepperl Nachforschungen anstellen, dann machen sie es unten im Tal und gehen nicht rauf, wo die Annamierl, Gott hab´ sie selig, ruht.
„Und dös soll i dir glaub´n?“
„Wanns woahr is,“
„Is es aber net!“
Die Geduld des Wastl war bald erschöpft. Dass der Sepp so aalglatt war, hätte er nicht gedacht. Wie sollte er da ein Geständnis aus ihm herauspressen? Noch einen letzten Versuch würde er machen, wenn er dabei keinen Erfolg hat,  musste er ihn mangels Beweise laufen lassen. 
„Aber der Lukas hot an dem Tog no nia den Kasten ghabt, den hot er erst an seim Geburtstog am Freitag kriegt“
Jetzt war der Sepp am Ende. Er gestand, dass er die Annamierl in eine Spalte gestoßen hatte, weil sie ihn immer bevormundete und extrem sparsam war.
Wastl und Bepperl waren zufrieden, sie hatten einen fast perfekten Mord dank zweier Buben aufgeklärt.

 Heidrun Urich